Qnuvimisho

Kurzer Animationsfilm zu den Buddenbrooks
von Thomas Mann, entstanden im Kunst-
leistungskurs im Sommer 2006 ^^

Ein Buch, ein Kunst-LK, vier Personen - ein Thema: Die Buddenbrooks von Thomas Mann sollten es sein. Keiner war sonderlich davon begeistert, doch Mitspracherecht gab es keines.

Was also sollte mit einem Thema angefangen werden, das niemanden von uns wirklich interessierte? Geschweige denn, dass auch nur einer vorher auch nur einen einzigen Blick in das durchaus abschreckende Buch geworfen hatte.
Interessant sollte es sein und Spaß machen. Und anspruchsvoll. Und so kam irgendwann die Idee, einen Animationsfilm zu machen. Allzeitige Begeisterung und ungläubiges Köpfeschütteln war die Folge. Wir hatten nur gut zwei Monate Zeit und von Animation hatten wir so ziemlich keine Ahnung. Daran hat sich bei den meisten von uns bis heute nicht viel geändert ^^°

Hin- und Herdenken half nichts, wir wussten nicht, wie viel tatsächlich zu realisieren war und eine Story musste her. In den voraussehbaren maximal zwei Minuten Filmlänge konnte schließlich nicht die gesamte Geschichte erzählt werden, und um eine einzelne Szene auszuwählen, war das Buch einfach zu komplex, zu umfangreich. Und noch immer hatten wir uns mit dem Thema nicht angefreundet. Doch die Zeit drängte. Ein Treffen mit zwei professioniellen Animatorinnen sollte uns schließlich helfen - ließ uns jedoch mit der Versicherung nach Hause gehen, dass wir in der kurzen Zeit niemals etwas Brauchbares würden schaffen können. Dadurch motiviert, das Unmögliche möglich zu machen und allen Zweiflern zu beweisen, dass wir stur unseren Versuch durchziehen würden, entstanden die ersten Entwürfe.
Hintergründe und Figuren mussten erschaffen und digitalisiert werden. Als Vorlage für das Haus diente das Buddenbookshaus, das noch heute in Lübeck steht, und auch wenn wir die Stadt nicht nachstellen wollten, mussten natürlich noch weitere Details für den Hintergrund her. So entstanden die Bäume. Die Möwe hat mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun, sondern dient eher als Spaßfaktor. Will man unbedingt etwas in sie hineininterpretieren, so kann man durch sie die Nähe der Ostsee erkennen.
  
 


Eine weitere Aufgabe bestand in der Erstellung der Charaktere. Möglichst einfach mussten sie sein und doch einprägsam. Als Vorbild dafür dienten Southpark-Figuren - die, wie wir mit Erschrecken feststellten, erschreckend komplexe Bewegungen ausführten. Die Bewegungen wurden einfacher, ein Charakter-Bastelset entstand - aus Pappe ausgeschnitten und eingescannt, entstanden die Einzelteile der Figuren. 

Leben entstand nur langsam, die Bewegungen waren plump. Unzählige Bilder wurden hintereinander gehängt und doch war noch nichts passiert.
 

Farben mussten aufeinander abgestimmt werden, sodass das Gesamtbild harmonierte. So wurde vor allem an dem Hintergrund noch recht viel verändert.


Auf eine nachvollziehbare Handlung beschlossen wir ganz zu verzichten und stattdessen ein Interview zu machen. Die fiktive Sybille und die Charaktere Thomas, Christian und Antonia Buddenbrook. Texte mussten verfasst und sinnvoll in einen Zusammenhang gebracht werden. Um dem Original trotz Parodie-Status relativ nahe zu bleiben, sprechen die drei Buddenbrooks Zitate ihrer literarischen Ebenbilder, ihre Worte sind also bei genauem Lesen wortwörtlich im Buch wiederzufinden, auch wenn sie im Film natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurden.

Hier nun ist ein Ausschnitt aus den Textvorbereitungen:

Vorstellung Antonia

Vorstellung Thomas

Vorstellung Christian

Reiche Kaufmannsfamilie aus Lübeck, die langsam aber sicher dem Verfall ausgesetzt ist.

Kinder des Konsuls

Bürgerlich doch Christian

Ach, was man ist , kann und hat, scheint arm, grau, unzulänglich und langweilig; was man aber nicht ist, nicht kann und nicht hat, das eben ist es, worauf man mit jenem sehnsüchtigen Neid blickt, der zur Liebe wird, weil er fürchtet, zum Hass zu werden –Seite 448

Ich trage den keim, den Ansatz, die Möglichkeit zu allen Befähigungen und Bestätigungen der Welt in mir ... Wo könnte ich sein, wenn ich nicht hier wäre! Wer, was, wie könnte ich sein, wenn ich nicht wäre, wenn diese meine persönliche Erscheinung mich nicht abschlösse und mein Bewusstsein von dem aller derer trennte, die nicht ich sind! – Seite 448

Organismus! Blinde, unbedachte, bedauerliche Eruption des drängenden Willens! Besser, wahrhaftig, dieser Wille webt frei in raum- und zeitloser Nacht, als dass er in einem Kerker schmachtet, der von dem zitternden und wankenden Flämmchen des Intellektes notdürftig erhellt wird! – Seite 448

Aus anfänglichen wirren Stichpunkten entstand so schließlich der Text.

Sybille
Hey Tony, wie sollte dein Leben so abgehen?
Tony
Ich bin eine anständige Frau, ich stehe mitten im Leben und bin gereift. Ich wollte natürlich einen Kaufmann heiraten. Er musste recht viel Geld haben, damit wir uns vornehm einrichten könnten; das war ich meiner Familie und der Firma schuldig
Christian
Wie satt ich das alles habe, dies Taktgefühl und Feingefühl und Gleichgewicht, diese Haltung und Würde..
Sybille
Christian? Was willst du denn?
Christian
wie sterbenssatt…
Sybille
Sag mal, Tom, ist der immer so?
Thomas
Mein Gott, er amüsiert sie! Er, Angehöriger einer Firma, die aus allen Kräften nach absoluter Intensität, nach makelloser Solidität strebt.
Christian
Ich werde von dem anderen, von dem Kram, ganz und gar aufgebraucht, weißt du, und behalte für das Ordentliche gar nichts übrig.
Sybille
Wie ist der denn drauf? Geht’s dem gut?
Tony
Ich habe das Leben kennengelernt..
Sybille
Drehen jetzt hier alle ab?
Thomas
Wo könnte ich sein, wenn ich nicht hier wäre! Wer, was, wie könnte ich sein, wenn ich nicht ich wäre, wenn diese meine persönliche Erscheinung mich nicht abschlösse und mein Bewusstsein von dem aller derer trennte, die nicht ich sind!

Schön und gut, der Text war da, doch reichte dies noch lange nicht aus. Synchronsprecher (oder aus Synchronisanten) mussten her, kurzentschlossen wurden die beiden männlichen Rollen im Kunstkurs vergeben, die weiblichen Rollen konnten wir selbst abdecken. Und so folgte ein etwa 2-Stündiger Lachanfall mit Mikro und Laptop.

Nachdem sowohl das Design, als auch der Ton soweit stand, mussten die Bilder erstellt werden. Jede Bewegung musste einzelnd abgespeichert werden - kaum ein Bild konnte doppelt verwendet werden. 4 Bilder pro Sekunde - so lautete unsere Vorstellung, deren Verwirklichung uns schließlich auf 316 Bilder brachte - Vor- und Abspann nicht eingeschlossen.

Hier sind nun einiger dieser Bilder, wie sie nacheinander im Film auftauchen.


Legt man die einzelnen Layer übereinander, so entsteht ein nahezu unüberschaubares Durcheinander. Allein die Grundlayer sehen dann so aus: 

Natürlich durfte auch ein Vor- und ein Abspann nicht fehlen. Für den Vorspann musste eine Einleitung in die Geschichte her - zumindest ein grober Überblick sollte geschaffen werden. Aus wenigen Informationen (wir haben uns erfolgreich geweigert, das Buch zu lesen) entstand so ein kurzer Text, der keineswegs den Anspruch erhebt, die Original-Vorlage widerzuspiegeln und doch einige wenige Aspekte der Geschichte aufgreift. Der Abspann dagegen hat nur noch kurz mit der Geschichte zu tun, hauptsächlich haben wir die Zeit genutzt, um uns da einfach auszutoben.. Wie wohl kaum zu übersehen ist.
In dem Sinne: Viel Spaß mit den Buddenbrooks! und: Fragen sind zum stellen da ^.~

















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